Ferien vom Reisen auf Palawan

Was wir gelernt haben:

  • Auf hoher See gibt es keine Uhrzeiten, nur vor dem Frühstück, nach dem Mittagessen etc.
  • Wir sind alle seetauglich, auch bei stürmischem Wetter
  • Die Wahrscheinlichkeit von einer Kokosnuss erschlagen zu werden steigt bei starkem Wind erheblich, Kopf hoch: Gefahr sehen
  • Ich bin landkrank, sobald ich (als ich angeschlagen war) jeweils aufm Boot war, gings mir wieder gut :)
  • An Jugendliche zu glauben und sie zu fördern lohnt sich immer! (das wussten wir zwar schon, aber es hat sich erneut bestätigt)
  • Bei Vollmond sollten nur seetaugliche Menschen die Tao-Tour machen
  • Die besten Mangos gibts auf den Philippinen
  • Die Flüge von/nach Manila sind immer verspätet, besser jede Menge Zeit für den Weiterflug einplanen

Bevor die Reise nach Palawan weitergeht, hier noch ein paar Bilder von der wunderschönen Insel Koh Rong Sanloem, die letztes Mal noch gefehlt hatten:

 

Palawan

Nach ein paar wunderschönen einsamen Inseltagen auf Koh Rong Sanloem sind wir mit Zwischenstopp in Phnom Penh von Siem Reap aus nach Manila geflogen, wo wir hohen Besuch aus der Schweiz erwarteten. Stephanie hat sich 2 Wochen frei genommen um mit uns Palawan zu entdecken.

Als wir am Flughafen eincheckten, tauchte dann plötzlich noch der Überraschungsgast Sandro auf. Ganz heimlich hat er den gleichen Trip gebucht und so waren wir die letzten zwei Wochen zu viert unterwegs. Ein kleines Stückchen Heimat in den Philippinen.

Die ersten drei Tage auf Palawan haben wir im idyllischen Jungle Beach Resort bei Puerto Princesa verbracht. Jürg, der Schweizer Auswanderer, hat sich dort vor einigen Jahren direkt am Meer ein gemütliches Resort mit vier Bungalows aufgebaut.

Die Tage in der ruhigen Gegend haben sich vor allem für Stephie und und Sandro gut geeignet um sich anzuklimatisieren und den Jetlag loszuwerden. Wir haben gewürfelt, die Jungs Dart gespielt, geschnorchelt, einen Ausflug zum Wasserfall gemacht, mit dem kleinen Affen und den Hunden gespielt, die neusten Neuigkeiten aus Winterthur ausgetauscht und uns gefreut, dass sich die beiden die Zeit genommen haben, uns zu besuchen.

 

Nach der Eingewöhnungsphase sind wir anschliessend 4.5h mit dem Bus nach El Nido in den Norden Palawans gereist. Dort haben sich ¾ von uns abgewechselt mit krank im Bett liegen. So haben wir keine grossen Sprünge in El Nido gemacht, keine Island Hopping Tour, weil wir wussten, dass wir anschliessend 5 Tage die Inseln mit dem Boot erkunden werden. Meinen Geburtstag haben wir ebenfalls in dem kleinen Fischerort verbracht, gewürfelt, zu günstigen Rum getrunken und den Tag an uns vorbei ziehen lassen. An dieser Stelle, danke für alle, die an meinem Geburtstag an mich gedacht haben, auch wenn ich nicht zu Hause bin. Da kamen dann doch die ersten Heimwehgefühle bei mir auf.

Tao Expedition Palawan

Das Highlight unserer gemeinsamen Reise sollte die „Tao Expedition Palawan“ werden. Wir freuten uns riesig auf die fünf Tage auf dem Meer, aufs Schnorcheln und kleine Inseln zu entdecken. Da Sandro und Stephie uns vor 2 Jahren schon davon vorgeschwärmt haben, als sie von der Tour zurückgekommen sind, freuten wir uns umso mehr auf diese Zeit.

Mit 20 anderen Touris und 9 Crewmitgliedern und Harry, einem Jack-Russel, betraten wir dann schliesslich in voller Vorfreude das Tao-Boot.

Und wir wurden nicht enttäuscht. Vom ersten Tag an haben wir die ganze Crew (zwischen 20-35) ins Herz geschlossen. Unglaublich freundliche, zuvorkommende, sich um ihre Gäste sorgende (vor allem um diejenigen die (see-)krank waren), stets aufgestellte und zu Spässen bereite junge Leute. Später, beim Besuch der Tao-Farm, haben wir erfahren, was alles hinter „Tao“ steckt und vor allem unser sozialarbeiterisches Herz schlug hier höher. Edi (Philippino), der Chef, hat zusammen mit Jack, einem Engländer, das ganze von Grund auf aufgebaut. Zuerst klein angefangen mit Touren von El Nido nach Coron, dann immer mehr Einheimische integriert, Kapitäne gesucht (schliesslich hat er einen ehemaligen Schmuggler/Pirat engagiert, weil er wusste, dass der bei jeder Wetterlage fähig war ein Boot zu steuern und alle Einheimischen ihn als den besten Kapitän nannten), Camps von Einheimischen aufbauen lassen, Frauen dazu gebracht zu arbeiten, sie ausgebildet (damit sie nicht nur auf ihre Männer zu Hause warten und nicht noch mehr Kinder produzieren :)), Schulen aufgebaut und Lehrer gefunden. Ein weiterer Einheimischer, der von Anfang an dabei war, kennt das Meer, die vielen Inseln und deren Bewohner besser als die meisten, was für die Akzeptanz von Tao sehr wichtig ist. Doch am meisten fasziniert hat uns die Arbeit mit den Jugendlichen. Da viele philippinische Familien sehr viele Kinder haben und nur die cleveren zur Schule geschickt werden, hängen die anderen Kinder nur rum oder werden vom Vater mit aufs Fischerboot genommen, obwohl es immer weniger Fischer gibt, weil das Meer praktisch „leergefischt“ ist. Durch das haben sie viele Fähigkeiten und Wissen über das Wetter, das Meer, ohne je etwas darüber gelesen zu haben.

Edi hat sich diese Jugendliche „geschnappt“, ihnen bei der Tao-Farm eine Ausbildung als Koch, Gartenpfleger und Boots-Crew gegeben. Aber nicht im klassischen Sinne. Er hat den Jungs viel beigebracht, sie beobachtet, geschaut, welche Fähigkeiten sie besitzen, wo sie gefördert werden und eingesetzt werden können. Die höchste Stufe, die sie erreichen können ist, ein eigenes Boot zu haben und mit der die Tao-Tour anzubieten. So arbeiten sie sich hoch, zwei Jahre auf der Farm und wenn sie bereit sind fürs Boot,  arbeiten sie zuerst als Guide-Assistent oder Koch-Assistent und bis zum Chef-Guide und später, wenn sie genug Erfahrung haben bekommen sie ihr eigenes Boot.

Ich habe einen von den Jugendlichen gefragt: „Do you like to work on this boat?“ und er antwortete: „No, I don’t like it, i love it. It’s like my family.“ Ich finde, das sagt schon alles und das merkt man auch, als Gast auf dem Boot, dass sich alle wohl fühlen, die Arbeit von jedem Einzelnen geschätzt und gefördert wird und ihr Selbstvertrauen gegenüber den Gästen von Tag zu Tag wächst. Wie gerne wäre ich da geblieben oder wir haben uns auch überlegt, ein paar Jugendliche aus der Schweiz hierher zu bringen und sie ein bisschen abzuhärten. Das würde viele zurück auf den Boden bringen.

In der Schweiz wäre ich wohl niemals auf ein Boot gestiegen, dessen Crew aus unter 25-Jährigen besteht (ausser dem Kapitän und dem Maschinist), doch hier hatten wir in deren Fertigkeiten vollstes Vertrauen. Ein sehr unterstützenswertes Projekt mit viel Herzblut und Glaube an die Fähigkeiten jedes Einzelnen.

 

Die stürmische Fahrt

So, nun aber zum eigentlichen Erlebnis: die Bootstour. Fünf Tage haben wir also auf diesem Boot verbracht. Am ersten Tag begleiteten uns noch das gute Wetter und ein relativ ruhiges Meer. Wir entdeckten schöne Strände, haben beim Schnorcheln farbigen Fischen zugeschaut und zwei haben sich eine Erinnerung von einem Seeigel mitgeben lassen. Schon beim Schnorcheln merkten wir, wie gut die Jungs auf uns aufpassen. Immer 3 Jungs paddelten in je einem Kanu um uns herum, um uns vor Seeigeln zu warnen oder uns zurück zum Boot zu bringen, wenn man keine Energie mehr hatte um zum Boot zu schwimmen. Und dann abends, als wir im ersten Camp auf einer einsamen Insel angekommen waren fühlten wir uns schon ein bisschen wie Robinson Crusoe.

Wir bekamen eine Massage von den Frauen aus dem Dorf und von den Küchenjungs wurden wir mit unglaublich gutem Essen verwöhnt. Und zwar jeden Tag, reichlich. Unfassbar, was die drei Küchenjungs in der kleinen Bootsküche (auch bei den höchsten Wellen) für uns in diesen Tagen gezaubert haben. Wir waren bei jeder Mahlzeit aufs Neue begeistert.

Die nächsten drei Tage auf dem Meer waren dann nicht mehr ganz so romantisch, sondern eher ein Erlebnis. Da wir ziemlich starken Wind hatten, zeigten sich entsprechend grosse Wellen und unser Boot gleitete (dank dem super Kapitän) über das unruhige Meer. Trotz allem schaukelte und schüttelte es uns aber durch und etwa die Hälfte der Gäste wurde stark seekrank. Wir glücklicherweise nicht. Der Wind hielt auch die beiden anderen Tage an, so dass wir an einem Tag morgens keine Erlaubnis der Küstenwache bekamen, loszufahren. Erst am späten Nachmittag, als sich der Wind etwas „beruhigt“ hatte, aber immer noch sehr stark war, machten wir uns auf die Weiterreise, etwas beunruhigt, wie die lange Fahrt werden würde. Da es zu viele Wellen hatte, wir dadurch langsamer unterwegs waren und wir schliesslich unser Ziel am selben Tag bis zum Sonnenuntergang erreichen mussten, war es kaum noch möglich zu schnorcheln oder zu schwimmen. Es wäre schlichtweg zu gefährlich gewesen. Aber uns hat es an sich nichts ausgemacht, da es auch schon so ein Erlebnis für sich war.

 

Jeden Tag waren wir gespannt, in welches Camp wir dieses Mal gebracht wurden und das Highlight war definitiv die Farm (welche ich vorher schon erwähnt hatte). Dort wird Gemüse angebaut, in einer riesigen Open-Air-Küche gekocht, während die Gäste bei der Bar rundherum zuschauen können, von den Frauen Seife und Shampoo produziert, geschnitzt, Schweine gezüchtet und eben die Jugendlichen ausgebildet und seetauglich gemacht werden.

Abends, sobald wir in den Camps angekommen waren, wurden als erstes die Hütten eingeteilt, Matratzen verteilt, die Betten gemacht und dann gabs die erste Runde Jungle Juice (Rum mit Ananassaft) bis das Essen parat war. Dank der Crew war die Stimmung jeweils schnell gelöst und aufgeheitert. Es war immer wieder erstaunlich, wie gut sie sich darum gekümmert haben, dass alle von der Gruppe integriert wurden und sich wohl fühlten. Sie waren Entertainer, Guides, Köche, Krankenschwestern (in einer Nacht hats mich dann auch noch erwischt und „King“ hat mir extra auf dem Boot noch Tee gekocht, ich hab Öl von den Einheimischen bekommen um mir den Bauch einzureiben und wurde immer wieder gefragt, obs mir nun besser geht) und Sozialarbeiter in einem. Hut ab von der Geduld und der Energie, die diese Jungs mitbringen!

So lief dann jeder der 5 Tage ab: nach dem Sonnenaufgang aufstehen, Kaffee trinken, packen, frühstücken, aufs Boot gehen, fahren, wenn möglich Schnorcheln gehen, Mittagessen auf dem Boot, weiterfahren, überleben :), Bier trinken, Zvieri essen, Drybag packen für die Insel, beim Camp anhalten, zur Insel schwimmen, Jungle Juice, Znacht essen, trinken, Feuershow von den Jungs bewundern, schlafen... repeat :) das Leben könnte definitiv schlechter sein!

 

Ja, wie man vielleicht beim Lesen dieses Berichtes erahnen kann, waren wir wirklich begeistert von der ganzen Crew und dementsprechend traurig waren wir dann auch am letzten Tag, als wir bei perfekten Wetterbedingungen die letzten Stunden auf dem Boot verbrachten. Schweren Herzens verabschiedeten sich alle von der Gruppe und der tollen Crew. Doch vergessen wird diesen Trip wohl niemand so schnell. Und wir würden es auch sofort nochmals tun. Am liebsten heute und mit derselben Crew :)

 

In Coron angekommen freuten wir uns dann aber doch wieder auf eine richtige Dusche mit Duschkopf und warmem Wasser und auf ein richtiges Bett.

Zufälligerweise hatten wir im selben Hotel gebucht, wie das englische Paar, das auch mit auf der Tao-Tour war und so haben wir die beiden Tage am Pool genossen und in Erinnerungen geschwelgt.

 

Danke Stephschen, dass du das alles für uns so gut organisiert hast, danke dir und Sandro, dem Überraschungsgast, dass ihr euch zwei Wochen Zeit genommen habt, uns zu besuchen und uns von der Tao Tour überzeugt habt. Wir haben uns sehr gefreut ein bisschen Winti bei uns zu haben! Kommt gut nach Hause und in die Kälte...

 

Das letzte Abenteuer 

Nun brechen schon die letzten 3 Wochen unserer Reise an, welche wir in Myanmar verbringen werden. Wir sind sehr gespannt auf dieses Land, welches wohl ein weiteres Highlight unserer Reise werden wird, uns nochmals in eine ganz andere Kultur einführen und für Mathias viele neue Fotomotive bringen wird.

Viel zu schnell werden diese Wochen vorüberziehen und dann sitzen wir schon in Singapur, packen ein letztes Mal unseren Rucksack und machen uns auf den Heimweg. Doch bis dahin geniessen wir jeden Tag, entdecken Neues mit offenen Augen, speichern es in unserem Gedächtnis ab und freuen uns darüber, dass es uns möglich ist, so eine Reise zu erleben.

 

Viele Fotos hats in den zwei Wochen nicht gegeben, aber immerhin genug, um einen guten Einblick zu bekommen, wie toll diese Tage (speziell auf der Tao-Tour) waren.

Schaut in die Fotogalerie (Philippinen und Snap-Shots), wenn ihr mehr sehen wollt. Es hat auch noch neue Fotos im Kambodscha-Ordner, die es letztes Mal noch nicht ins Album geschafft haben.

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Kommentare: 1
  • #1

    miriam (Mittwoch, 03 Februar 2016 22:21)

    irgendwie schade, dass dies nun der zweitletzte bericht ist, ABER umso schöner, dass ich euch baldbald in die arme nehmen und noch viele weitere erlebnisse persönlich hören kann! ich vermisse euch hier sehr. tankt nochmals ganz viel sonne und wärme, geniesst die letzten wochen und passt auf euch auf! bis ganz bald wieder, wir freuen uns schon riesig! bald zähle ich mit louisa und matti die tage :-)
    und mäthu, ich freu mich bereits jetzt auf die fotos von burma.
    liebste grüsse an euch beiden